Es gibt hunderte Seiten im Internet wo über die Verwendung von RAW diskutiert wird, aber dennoch möchte ich dieses Thema aus „meiner Sicht“ kurz darstellen.


Als ich in die digitale Fotografie einstieg, war RAW für mich ein Fremdwort. Bei den Qualitätseinstellungen war die Auswahl „RAW“ bereits vorzufinden, wurde aber von mir stets ignoriert. Was waren damals meine Argumente? Was RAW? Das ist viel zu kompliziert. Jedes Bild ist so groß und ich muss jedes Bild bearbeiten.

Und was hat mich umgestimmt? Als ich mit dem Aufsteckblitz eine kleine Familienfeier fotografierte, vergaß ich den Weißabgleich ein- bzw. umzustellen. Alle meine Fotos hatten einen Gelbstich. Nach stundenlangem Bearbeiten (mit erkennbaren Qualitätsverlusten) der Fotos fasste ich den Entschluss es beim nächsten Mal mit RAW zu versuchen, denn ich hörte, dass man mit RAW (im RAW-Konverter) den Weißabgleich nachträglich und nahezu verlustfrei einstellen kann.

Diese Theorie mit der verlustfreien Nachbearbeitung gefiel mir so sehr, dass ich dies gleich bei der nächsten Gelegenheit getestet habe.
Ich war begeistert (und bin es immer noch), so schnell und mit wenigen Handgriffen war der Weißabgleich geändert.

Für diesen Nutzen nehme ich den Zwischenschritt mit dem RAW-Konverter gerne in Kauf.


Tipp für alle Skeptiker
Die meisten Kameramodelle bitten den Modus RAW+JPEG an. D.h. die Kamera legt dasselbe Bild in RAW und zusätzlich noch als JPEG auf der Speicherkarte ab. Somit hat man einerseits das gewohnte JPEG-Bild und andererseits die RAW Datei.


Was ist nun eigentlich RAW?

RAW ist das Rohdatenformat, wird auch digitales Negativ genannt und es ist ein (noch) modellabhängiges Dateiformat. Im RAW Format werden die Bilder mit 10, 12, 14 oder mehr Bit abgelegt, wobei ein JPEG nur 8 Bit Informationen enthält.


Wer soll auf RAW verzichten?

Meiner Meinung nach keiner, aber dennoch gibt es Ausnahmen:
  • Knipser denen es egal ist wie ihre Bilder aussehen
  • Fotografen, die mit JPEG perfekte Bilder machen können und der Bildbearbeitung aus dem Weg gehen wollen
  • Personen denen kein Computer zur Bildbearbeitung zur Verfügung seht
  • Sofortentwickler, die mit der Speicherkarte den nächsten Fotoautomaten, zum Entwickeln der Fotos auf der Speicherkarte, nützen wollen

Vor- und Nachteile von RAW und JPEG

Vorteile JPEG:
  • Sehr kleine Dateigröße
  • Alle Grafikprogramme können damit umgehen
  • Auch in allen gängigen DVD-Playern lesbar


Nachteile JPEG:
  • Bilder sind komprimiert und Bilddetails gehen verloren
  • Viele der ursprünglich aufgezeichneten Bildinformationen sind nicht mehr vorhanden
  • Nur 8 Bit --> sehr wenig Spielraum für Korrekturen
  • Nach jedem Speichern verschlechtert sich die Qualität

Vorteile RAW:
  • Unverfälschte Sensorinformationen
  • Belichtungskorrektur (meist +/- 2 Blenden je nach Kamera)
  • Reduktion der über- und unterbelichteten Bereiche o Scharfzeichnung
  • Tonwertkorrektur
  • Farbkorrektur
  • Sättigung
  • Weißabgleich
  • Höhere erreichbare Bildqualität (keine Kompression)
  • Größerer Dynamikumfang der gespeicherten Bildinformation (RAW hat mehr als 8 Bit und somit auch einen größeren Spielraum was Korrekturen betrifft)

Nachteile RAW:
  • Jedes Bild muss bearbeitet werden
  • Mehr Platz auf der Speicherkarte wird benötigt
  • Das Speichern auf der Speicherkarte benötigt mehr Zeit (Tipp: Schnelle Karten verwenden)
  • Nicht in Fotoautomaten lesbar